Unsichtbares hilft heilen
Was ist Strahlentherapie?
In der Strahlentherapie (ST), auch Radioonkologie genannt, werden ionisierende, hochenergetische Strahlen und Teilchen zu Heilzwecken eingesetzt. Besonders bei bösartigen Tumorerkrankungen ist die Strahlentherapie neben der Chirurgie und Chemotherapie die erfolgversprechendste Methode. Zur Therapie werden radioaktive Elemente und in Beschleunigern erzeugte Röntgen-, Gamma-, Elektronenund Partikelstrahlen verwendet.
Im Folgenden wird die Therapie mit perkutaner Bestrahlung
aus Linearbeschleunigern behandelt.
Zunächst wird mit bildgebenden diagnostischen Methoden (CT, MRT, PET, SPECT) der Tumor lokalisiert und charakterisiert. Mit einem computergestützten Therapieplanungssystem wird dann die Therapie dreidimensional vorgeplant, also Zielbereiche, Bestrahlungsverfahren und Dosierungen in Zielorgan und Umgebung festgelegt. Anschließend erfolgt eine Bestrahlungssimulation, bei der alle Parameter getestet und dokumentiert werden. Erst danach findet die eigentliche Strahlentherapie am Patienten statt, meist über mehrere Wochen und in vielen verträglichen Einzelbestrahlungen.
Während der Bestrahlung liegt der Patient auf dem Behandlungstisch des Strahlentherapiesystems (z. B. ONCOR von Siemens). Mittels Lichtvisieren wird das Bestrahlungsgebiet markiert und positioniert. Dann erfolgt die Bestrahlung mit Elektronen- oder Photonenstrahlen aus dem Linearbeschleuniger im Kopf des Bestrahlungssystems. Dabei wird der Strahlerkopf in verschiedene, vorher berechnete Positionen geschwenkt und das Blendensystem so gesteuert, dass das Zielorgan maximaler Strahlendosis ausgesetzt wird, umgebendes Gewebe aber geschont wird.
Moderne Planungs- und Strahlentherapiesysteme erlauben heute eine sehr zielgenaue, individuelle Therapie und belasten umgebendes Gewebe nur wenig. In Abhängigkeit von Zielorgan, Dosis, Eindringtiefe und Anzahl der Einzeldosen können Nebenwirkungen wie Hautrötung, Übelkeit und Durchfall auftreten. Strahlentherapiesysteme werden täglich technisch überprüft; eine Bestrahlung wird nur dann freigegeben, wenn die Parameter der Therapieplanung mit den Geräteparametern exakt übereinstimmen.
Biologie: Durch energiereiche Strahlen wird das Erbmaterial der (Tumor -) Zelle, die DNS, so verändert, dass eine Zellteilung nicht mehr stattfinden kann und die Zelle abstirbt. Gesunde Zellen werden weit weniger geschädigt und schneller wieder geheilt als Tumorzellen, da ihr biochemisches Reparatursystem schneller und effizienter arbeitet. Technik: Elektronenstrahlen und harte Röntgenstrahlen werden im Linearbeschleuniger des Strahlentherapiegeräts erzeugt.
Durch geeignete computergesteuerte Blendensysteme, sog. Multileaf-Kollimatoren, kann dem Strahl zeitabhängig jeder beliebige Querschnitt an jedem Ort des Bestrahlungsfeldes gegeben werden (Intensitätsmodulierte Strahlentherapie, IMRT). Wird die Therapie gleichzeitig von einem bildgebenden System, z. B. einem CT oder einer am Linearbeschleuniger integrierten bildgebenden Vorrichtung überwacht, spricht man von Bildgeführter Strahlentherapie, IGRT.
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