Eine sich wandelnde Krankenhauslandschaft veranlasst die Verantwortlichen heutzutage zu Maßnahmen, die sie vor wenigen Jahren wohl kategorisch ausgeschlossen hätten. Zum Beispiel das organisatorische Zusammenrücken der Krankenhäuser von zwei benachbarten Landkreisen. War der Blick auf „die anderen“ früher eher von Konkurrenzgedanken verdeckt, richtet sich der Fokus heute mehr auf das, was verbindet – so wie bei den Kreiskliniken Traunstein-Trostberg und den Kreiskliniken Berchtesgadener Land. Diese haben 2004 neben der längst praktizierten ärztlichen Kooperation auch auf organisatorischen Ebenen den Schulterschluss gewagt.
Die Herausforderung: „Wir müssen einen guten Job machen.“
Im ersten Schritt der Zusammenarbeit – von der möglichen Anbahnung einer Fusion ist erst seit Anfang 2008 offiziell die Rede – suchte man nach Ansätzen, die beiden Kreiskliniken weiterhelfen, ohne dass sie sich gegenseitig die Patienten abspenstig machen. Da bot sich neben dem gemeinsamen Einkauf vor allem die Krankenhaus-IT an. „Denn wenn man verschiedene Kliniken zumindest partiell unter einen organisatorischen Hut bringen möchte, muss zu allererst die IT kooperieren“, betont Klaus Finkenzeller, IT-Leiter im Kreisklinikum Berchtesgadener Land.
Die Kooperation der IT-Abteilungen bot sich jedoch nicht nur aus generellen strategischen Erwägungen an. Ein konkreter Anlass führte die Computerleute zusammen. Denn während die Kreiskliniken Traunstein-Trostberg seit 1998 medico//s einsetzen und längst eine hohe Ausbaustufe erreicht haben, musste im Berchtesgadener Land 2007 dringend etwas geschehen, weil das bisherige KIS abgekündigt wurde. Was also lag unter diesen Voraussetzungen näher, als die Kliniken zumindest schon mal in Hinblick auf ihre IT zu vernetzen und die drei Krankenhäuser des Berchtesgadener Landes auf medico//s umzustellen?
Zu den größten Herausforderungen, die das medico//s-Projektteam zu bewältigen hatte, gehörte der Zeitfaktor. Gerade mal vier Monate standen für die Systemimplementierung und für die Startvorbereitungen zur Verfügung. In diesem Zusammenhang soll nicht verschwiegen werden, dass es den Verantwortlichen – selbstverständlich! – zugute kam, dass medico//s in den Kreiskliniken Traunstein-Trostberg seit einem Jahrzehnt lief und man sich bestens auskannte.
„Wir konnten in den Kliniken des Berchtesgadener Land einige Bereiche, wie die Laboranforderung oder die Physiotherapie, nach eingehender Prüfung eins zu eins übernehmen“.
Dr. Michael Winklmaier, IT Leiter Medizin, Kreiskliniken Traunstein-Trostberg
Bereits zum Start des Echtbetriebes hatten die Kreiskliniken Berchtesgadener Land eine medico//s-Ausbaustufe erreicht, die andere Krankenhäuser erst nach Jahren anstreben – mit Order Entry, OP-Ablaufsteuerung, Diagnosedokumentation und noch einigen weiteren Schmankerln, wie man in Oberbayern zu sagen pflegt.
Aber ein KIS ist nie wirklich fertig, weil es immer Ausbaustufen gibt, die es noch zu erreichen gilt. Hinzu kommt, dass ein IT-Dienstleister wie Siemens neue Produkte am Puls der Zeit entwickelt. Eines davon ist die medico//s-Arbeitsablaufsteuerung, auf die man sich in allen fünf Häusern schon freut. Und die Vorbereitungen laufen bereits auf Hochtouren.
„Alle fünf beteiligten Kliniken profitieren von der Vernetzung mehrerer Standorte und von der Bündelung unserer personellen Kompetenzen.“
Stefan Nowack, Geschäftsführer der Kreiskliniken Traunstein-Trostberg und der Kreiskliniken Berchtesgadener Land