Bei der IT-gestützten Nutzung klinischer Behandlungspfade gehört die Klinik für Allgemeine Chirurgie, Viszeral-, Gefäß- und Kinderchirurgie am Universitätsklinikum des Saarlandes in Homburg weltweit zu den Pionieren. Schon 2004 hat die Klinik im Rahmen einer Entwicklungspartnerschaft mit Siemens das i.s.h.med-Modul pathways implementiert und bis Ende 2008 insgesamt 34 klinische Pfade eingeführt. Die Resultate sprechen für sich: Bei reduziertem Aufwand und geringeren Kosten konnten Behandlungsqualität und Patientenzufriedenheit deutlich verbessert werden.
Zentrales Case Management
Die klinischen Pfade bilden Behandlungsstandards ab, die von den Ärzten der Klinik evidenzbasiert erarbeitet und ständig weiterentwickelt werden. Über die Umsetzung dieser Standards im Klinikalltag wacht ein zentraler "Case Manager", der für die Koordination der Abläufe für alle Patienten der Klinik zuständig ist - von der Aufnahme über Bettenbelegung und Terminplanung bis zum Entlassungsmanagement. Die Mitarbeiter auf den Stationen können die nötigen Behandlungsschritte für ihre Patienten direkt an ihrem Rechner einsehen und nach Erledigung abhaken - das erleichtert die Arbeit und verhindert Fehler. Durch ein intuitives Ampelsystem hilft i.s.h.med pathways, die Übersicht zu behalten: Bleibt für einen definierten Schritt die Bestätigung aus, schaltet die Ampel auf Rot und der Case Manager kann sofort eingreifen.
Hohe Flexibilität
Neben Untersuchungen und Operationen sind auch Anschlussheilbehandlungen oder Nachuntersuchungen in den Pfaden integriert. Zudem bietet pathways bereits im Standard zahlreiche Verlinkungsmöglichkeiten, zum Beispiel den parametergesteuerten Aufruf von Arztbriefen. Weitere Funktionalitäten können durch anwenderspezifische Programmierung realisiert werden. "Das Modul pathways ist sehr flexibel und offen für eigene Anwendungen. Sie können externe Systeme anbinden und eigene Funktionalitäten realisieren", sagt Peter Jacob, der IT-Beauftragte der Klinik. "Denn erst die Verlinkung von Funktionalitäten aus dem Pfad heraus erschließt das ganze Potenzial für Prozessoptimierungen."
Effizientere Behandlung
Als Universitätsklinik nutzen die Homburger nicht nur die zahlreichen in pathways integrierten Standardauswertungen, sondern zusätzlich auch eine Vielzahl selbst definierter Reports - zur Dokumentation der Behandlung, zur Beurteilung der wirtschaftlichen Effizienz oder als Datengrundlage für wissenschaftliche Studien. Auch die Einführung der klinischen Pfade selbst wurde bereits auf ihre Auswirkungen hin untersucht: Studien belegen unter anderem einen Anstieg von Case-Mix und Durchsatz, deutlich weniger Fehlbelegungen, eine verkürzte mittlere Aufenthaltsdauer und eine höhere Patientenzufriedenheit. Professor Martin Schilling, der Klinikdirektor, ist davon überzeugt, dass das Potenzial klinischer Pfade noch längst nicht ausgeschöpft ist: "Behandlungspfade helfen bei Behandlung, Ausbildung oder Patientenaufklärung und können als ein umfassendes klinisch-administratives Steuerungsinstrument genutzt werden. Die Möglichkeiten sind gigantisch."
„Wir haben unsere Abläufe so optimiert, dass wir einen hohen Durchsatz fahren können, ohne Abstriche bei der Behandlungsqualität machen zu müssen.“
Professor Martin Schilling, Direktor der allgemeinchirurgischen Klinik am Universitätsklinikum des Saarlandes