Der Faschingskrapfen, auch als Berliner Pfannkuchen bekannt, ist ein rundes, frittiertes Gebäck, das üblicherweise mit Hagebutten- oder Aprikosenmarmelade gefüllt ist. Es ist ein scherzhafter Brauch, die Marmeladenfüllung während der Faschingszeit mit Senf auszutauschen, um die lieben Mitmenschen zu überraschen. Denn von außen ist nicht zu erkennen, was einen im Inneren erwartet.
Glücklicherweise haben Wissenschaftler um Dr. Dominik Morhard am Institut für klinische Radiologie am Campus Großhadern des Klinikums der Universität München eine Lösung für dieses Problem gefunden1 . Durch den effizienten Einsatz von Computertomographie (CT) und Magnetresonanztomographie (MRT) wurden bei einem Experiment vier Krapfen auf ihren Inhalt untersucht. Ziel war es herauszufinden: Wo ist der Pudding, wo der Senf und wo die Marmelade?
Die vier Krapfen erhielten bei der Untersuchung je nach Füllung unterschiedliche Namen: PK (Puddingfüllung), MK (Marmeladenfüllung), S1K (süßer Senf), S2K (scharfer Senf). Zuerst erfolgte eine Analyse mit den beiden 3 Tesla-MRT-Systemen MAGNETOM® Trio und MAGNETOM Verio. Morhard schildert sein ehrgeiziges Projekt: „In einer 8-Kanal-Kopfspule wurden die Krapfen entlang ihrer kurzen Achse übereinander ausgerichtet: zwei handelsübliche 20-ml-Plastikspritzen gefüllt mit jeweils 20 ml H2O (30° C) wurden als Messreferenz und zur Vergrößerung der Spulenlast links und rechts neben den Krapfen in der Kopfspule positioniert.“ Und bevor sie ihrer natürlichen Bestimmung zugeführt werden konnten, mussten die Krapfen noch das Screening in einem SOMATOM® Definition CT-Scanner über sich ergehen lassen. „Die akquirierten Daten wurden nach Rekonstruktion von 80 kV, 140 kV und gewichteten Mischbildern analog einer 120-kV-Messung an eine Standard-Workstation (syngo MMWP VE 25 A) transferiert und dort nachbearbeitet“, erklärt der Radiologe.
Auf mehreren Wegen ließ sich PK, der Puddingkrapfen, von seinen Kollegen unterscheiden. In der 3-Tesla-MRT wies er als einziger niedrige Signalintensitäten in der T1-Gewichtung auf, also lange T1-Relaxationszeiten. In der Dual-Source-CT ist er der Einzige mit negativen Dichtewerten und daher visuell klar von den anderen trennbar.
Im Gegensatz dazu waren die Dichtewerte von MK, dem Marmeladenkrapfen, im positiven Bereich. Anders als bei PK und MK verfügten die Senfkrapfen über ein gutes Dual-Energy-Verhalten. Dabei handelt es sich um die Energieabhängigkeit der Röntgenabsorption der jeweiligen Füllung. Die süße Füllung von S1K ließ bei der 3-Tesla-MRT eine inhomogene Binnenstruktur sowie Signalauslöschungen im Bereich der Senfkörner erkennen, wie Morhard erklärt. So konnten S1K und sein scharfer Bruder S2K auseinandergehalten werden. Wer sich in der Narrenzeit also vor bitter-süßen Überraschungen schützen möchte, ist bei Dr. Dominik Morhard an der richtigen Adresse. Hier haben Faschingsscherzkekse nun keine Chance mehr.
1Vgl. Morhard, Dominik et al.: Die diagnostische Wertigkeit von Dual-Energy-CT und 3 Tesla-MRT in der Diagnose von Faschingskrapfen (Berliner Pfannkuchen) – Wo ist die Marmelade, wo der Senf und wo der Pudding? In: Fortschritte auf dem Gebiet der Röntgenstrahlen und der bildgebenden Verfahren, 180. Jahrgang, Heft 4, S. 318-324.