Mehr als 300 Gäste aus dem deutschen Gesundheitswesen und öffentlichen Leben des Landes Schleswig-Holstein feierten das Richtfest eines der weltweit modernsten Kompetenzzentren zur Krebsbekämpfung am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein. Im Nordeuropäischen Radioonkologischen Centrum Kiel (NRoCK) werden künftig Tumore mit Protonen und Kohlenstoffionen punktgenau beschossen. Umliegendes Gewebe, wie etwa das zentrale Nervensystem, bleibt weitgehend verschont. Deshalb eignet sich dieses Verfahren insbesondere für schwer zugängliche und/oder in empfindlichen Geweben lokalisierte Tumore. Für Kinder eröffnen sich aufgrund der erheblich reduzierten Anzahl von Behandlungen und der Schonung gesunden Gewebes neue Therapiechancen mit einem geringeren Maß an Spätfolgen.
Das Nordeuropäische Radioonkologische Centrum Kiel (NRoCK) wird ab Oktober 2011 schrittweise seinen Betrieb aufnehmen. Tumorpatienten aus ganz Europa ermöglicht die moderne Partikeltherapie in Kombination mit dem gesamten Spektrum medizinischer Bestrahlungsarten eine hocheffektive Behandlung. Anders als bei reinen Protonenanlagen ist NRoCK neben den Kohlenstoffionen auch für den Einsatz weiterer Partikelarten vorbereitet. Mit dieser Flexibilität ist NRoCK bestens für zukünftige Anwendungen und die wissenschaftliche Forschung gerüstet. Ein interdisziplinäres Expertenteam hält die komplette bildgebende Diagnostik vor und gewährleistet die modernste Therapie bis hin zur Nachsorge.
Für Ministerpräsident Peter Harry Carstensen ist das Nordeuropäische Radioonkologische Centrum eine herausragende Investition in den Wissenschaftsstandort Kiel und den Wissenschaftsstandort Schleswig-Holstein: „Mit dem größten Public-Private-Partnership-Projekt im deutschen Gesundheitswesen hat Schleswig-Holstein sein anspruchsvollstes medizinisches Unternehmen umgesetzt. Das NRoCK ist ein Meilenstein in der 100-jährige Erfolgsgeschichte der Kieler Strahlentherapie und sichert dem Land in diesem Bereich eine internationale Spitzenposition", sagte er. Das Gesundheitsland Schleswig-Holstein sei stolz auf seinen starken universitären Standort, der für die exzellente Versorgung der Menschen steht.
Torsten Albig, Oberbürgermeister der Landeshauptstadt Kiel: „Durch die Kooperation mit Partnerinstitutionen in Norddeutschland und dem Ostseeraum rückt das NRoCK Kiel weiter ins medizinische Zentrum von Nordeuropa. Wir freuen uns, dass auf diesem Wege auch ca. 200 teils hoch spezialisierte medizinische und technische Arbeitsplätze entstehen und radioonkologisches Fachpersonal ausgebildet wird. Kiels Bedeutung als Standort für Wirtschaft und Wissenschaft wird durch das NRoCK weiter gestärkt.“
Professor Dr. Hermann Requardt, Mitglied des Vorstands der Siemens AG und CEO des Siemens Healthcare-Sektors: „Das Nordeuropäische Radioonkologische Centrum in Kiel ist ein Meilenstein für medizintechnische Lösungen und Partnerschaftsmodelle in der Onkologie. Siemens hat gemeinsam mit Bilfinger Berger die Finanzierung des PPP-Projektes strukturiert und ist außerdem Konsortialführer des Errichterkonsortiums. Siemens liefert die fortschrittlichste Technologie auf dem Gebiet der Partikeltherapie, die ganz neue Möglichkeiten der Krebstherapie eröffnet. Wir werden wie geplant ab Januar 2010 die ersten Beschleunigerkomponenten einbringen und installieren.“
Nick Dawson, Geschäftsführer der Bilfinger Berger Project Investments: „Bilfinger Berger freut sich, seine umfassenden Erfahrungen in den Bereichen Finanzierung, Planung, Bau, Betrieb und Projektmanagement bei PPP-Projekten des Gesundheitssektors in dieses herausragende Projekt einbringen zu können. Die Planung des in Bau befindlichen Partikeltherapiezentrums wurde in enger Abstimmung zwischen dem Errichterkonsortium und dem UK S-H, entsprechend der Anforderungen des medizinischen Betriebs optimiert. Bilfinger Berger setzt während der nächsten 28 Jahre weiterhin auf eine enge Partnerschaft mit dem UK S-H.“
Professor Dr. Jens Scholz, Vorstandsvorsitzender des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein: „Mit dem NRoCK antwortet das UK S-H auf die medizinischen Herausforderungen schwerster Erkrankungen. Wir wagen uns dabei in Grenzbereiche, in denen klinische Wirklichkeit entsteht, die die Wissenschaft parallel erst denkt.“
Professor Dr. Bernd Kremer, strategischer Geschäftsführer des Nordeuropäischen Radioonkologischen Centrums Kiel: „Sich für dieses Projekt zu entscheiden, hat allen Beteiligten verantwortungsvolle Risikobereitschaft abverlangt und bedeutet nun die Realisierung neuer Möglichkeiten für die Behandlung unserer Patienten und die Ausstattung Schleswig-Holsteins mit medizinischer Zukunftstechnologie.“
Daten und Fakten
- Partikel zur Bekämpfung von Tumore im Gehirn Rückenmark und Weichteile, insbes.
Leberzell-, Lungen-, Pankreas-, Prostata- und Ösophaguskarzinome sowie
Kopf-Hals-
Tumore und bestimmte Augentumore und Tumore im Kindesalter
- 1,7 Millionen Krebserkrankungen pro Jahr in Europa
- WHO-Prognose: Steigerung um 50% bis 2020
- 385.000 Krebserkrankungen pro Jahr in Deutschland
- Baubeginn des NRoCK: 11. Juli 2008
- 4 Jahre Entwicklungs- und Planungszeit
- Baufläche 110 m lang, 45 m breit
- 4 ober- und 2 unterirdische Geschosse
- 5.800 Betonfuhren mit insgesamt 35.000 m³ Beton
- bis zu 4,8 m dicke Mauern
- ÖPP-Projekt: Investitionskosten 250 Mio. Euro
- Ca. 160 Arbeitsplätze im medizinischen Bereich, ca. 40 Arbeitsplätze im technischen Bereich
- Beschleunigung der Partikel im Synchrotron bis zu 60% der Lichtgeschwindigkeit
Das Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UK S-H) zählt zu den größten medizinischen Einrichtungen in Europa, mit 51 Kliniken, 26 Instituten und rund 11.000 Mitarbeitern an den Standorten Kiel und Lübeck. Als einziges Krankenhaus der Maximalversorgung in Schleswig-Holstein deckt das Klinikum das gesamte Spektrum der modernen Medizin ab. Etwa 1.500 Ärzte und über 3.600 Pflegekräfte betreuen 280.000 ambulante und 90.000 stationäre Patienten pro Jahr. Durch die enge Verknüpfung von Forschung und Krankenversorgung kann das UK S-H Erkenntnisse der Wissenschaft direkt bei der Diagnose und Behandlung von Erkrankungen berücksichtigen. Die Forschungsschwerpunkte liegen in den Bereichen Onkologie, Entzündung und Infektion, Klinische Genomforschung, Neurowissenschaften, Endokrine Steuerung und Regulation, Transplantationsmedizin und Biomedizinische Technologien. Weitere Informationen unter
www.uk-sh.de.
Der Siemens Healthcare Sector ist weltweit einer der größten Anbieter im Gesundheitswesen. Das Unternehmen versteht sich als medizinischer Lösungsanbieter mit Kernkompetenzen und Innovationsstärke in diagnostischen und therapeutischen Technologien sowie in der Wissensverarbeitung einschließlich Informationstechnologie und Systemintegration. Mit seinen Akquisitionen in der Labordiagnostik ist Siemens Healthcare das erste voll integrierte Diagnostik-Unternehmen, das Bildgebung und Labordiagnostik, Therapielösungen und medizinische Informationstechnologie miteinander verbindet und um Beratungs- und Serviceleistungen ergänzt. Siemens Healthcare bietet Lösungen für die gesamte Versorgungskette unter einem Dach – von der Prävention und Früherkennung über die Diagnose bis zur Therapie und Nachsorge. Zusätzlich ist Siemens der Weltmarktführer bei innovativen Hörgeräten. Das Unternehmen beschäftigt weltweit rund 49.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und ist in über 130 Ländern präsent. Im Geschäftsjahr 2007 (bis 30. September) erzielte Siemens Healthcare einen Umsatz von 9,85 Mrd. € sowie einen Auftragseingang von 10,27 Mrd. €. Das Bereichsergebnis betrug 1,32 Mrd. €. Weitere Informationen unter
www.siemens.com/healthcare.